Katzenhaltern empfehlen wir, diesen Text an
einem für
Katzen unzugänglichen Ort aufzubewahren!
Liebe Stubentiger,
natürlich wißt Ihr genau, wie man seinen Menschen so um die Pfote wickelt, daß
man sich alles erlauben darf. Dennoch kann es sehr nützlich sein, wenn Ihr
Euch an einige Umgangsformen haltet, um Eure Zweibeiner bei Laune zu halten,
bei welcher auch immer. Es ist von Vorteil, wenn man sich nicht nur als
Schmusekatze, sondern auch als nützliche Gesellschafterin profiliert.
Hier sind die wichtigsten Verhaltensregeln:
Grundsätzliches
Zeige permanente Präsenz und ungezügelte Neugier! Folge Deinem
Menschen auf Schritt und Tritt und kontrolliere jede seiner Bewegungen. Gehe
zu ihm, wenn er beschäftigt ist und halte ihn von den Dingen ab, die er gerade
machen will. Hierzu sind Dir alle Mittel recht. Schließlich stehst Du im
Mittelpunkt seines Lebens. Setze Dich auf die Zeitung oder das Buch, welches
er gerade liest. Wenn dies nicht möglich ist, verdecke wenigstens die Sicht.
Wenn er allerdings Langeweile hat, dann störe ihn auf keinen Fall. Vielleicht
meditiert er gerade. Will er mit Dir spielen, mache ihm klar, daß Du gerade
keine Zeit für ihn hast und Dich um die Körperpflege kümmern mußt oder
hundemüde bist.
Laufe nur über die Computertastatur, wenn der PC eingeschaltet ist. Genieße
die herrliche Fußzonenreflexmassage und betrachte Dein Werk auf dem
Bildschirm.
Durchstöbere alle Taschen, die ins Haus kommen, und bringe den interessanten
Inhalt ans Tageslicht. Vielleicht ist er schmackhaft oder man kann damit
spielen.
Wenn Gegenstände verrückt wurden, interessiere Dich so auffällig für sie, als
ob sie neu wären. Dann wird auch der Unordentlichste merken, daß er sie
wegräumen soll. Unordentliche über den Stuhl geworfene Kleidungsstücke ziehst
Du ebenso auf den Boden wie die Handtücher im Bad, damit Du sie dann neu
sortieren kannst. Frotteehandtücher eignen sich übrigens hervorragend zur
künstlerischen Umgestaltung. Die "Langfrottee"-Tücher sehen dann sehr schick
aus.
Tagesrhythmus
Die Menschen stehen täglich frühmorgens auf, um zur Arbeit zu
fahren. Schließlich müssen sie Geld verdienen um ihre Stubentiger versorgen zu
können. Werfe ihnen daher einen verständnisvollen Blick zu, während Du im Bett
liegen bleibst bzw. vom Fußende auf das gerade frei gewordene Kopfkissen
wechselst.
Am Wochenende vergessen Deine Arbeitstiere meist, den Wecker zu stellen. Sorge
unbedingt dafür, daß sie rechtzeitig geweckt werden. Schreie, springe aufs Bett,
ziehe an den Haaren oder beiße ins Ohr. Vielleicht will Dein Zweibeiner ja doch
noch ins Büro.
Wenn er allerdings abends ins Bett geht und das Licht ausschaltet, ist dies für
Dich das Startsignal. Jetzt mußt Du für ein aufregendes Nachtleben sorgen.
Schließlich möchte Dein Mensch von Dir unterhalten werden.
Kratzbäume
Spezielle Kratzbäume sind nur als Ergänzung zu den übrigen
Kratzgelegenheiten wie Sofa, Sessel, gepolsterte Stühle, Tapeten und Teppiche
gedacht. Zeige Deinem Menschen, daß Du den selben auserlesenen Geschmack hast
wie er und mache seinen Lieblingssessel zu Deinem Lieblings- kratzbaum. Schone
Deinen eigenen Kratzbaum, denn Du könntest ihn später vielleicht noch
gebrauchen.
Zimmerpflanzen
Sie sind störendes Unkraut. Sorge dafür, daß die Fensterbank
nicht zuwuchert. Zerlege die Pflanzen in Einzelteile. Dein Mensch wird
begeistert sein, weil er das Unkraut nicht mehr beischneiden muß.
Trockenblumensträuße zu zerlegen macht besonders viel Spaß. Also helfe Deinem
Menschen, sich von diesen vertrockneten Pflanzen zu trennen. Er wird es Dir
lautstark danken.
Toilette
Gehe nur aufs Klo, wenn es gerade gereinigt worden ist. Während der
Reinigungsarbeiten drängelst Du dann fürchterlich, da Du ja ganz dringend muß.
Wenn Dein Butler dann die alte Streu wegträgt, lege schnell ein Häufchen, damit
man schon von weitem riecht, wo das Katzenklo steht.
Übrigens: wenn Du beim Geschäfte machern Deinen Hintern über den Toilettenrand
hältst, bleibt die Streu länger sauber.
Fütterung
Das beste, leckerste und interessanteste Menü findest Du auf dem
Teller Deines Menschen. Wenn Besuch da ist, gibt es besonders reichlich und gut.
Ansonsten gilt:
Esse niemals zuerst aus Deinem Napf, wenn die anderen Katzen eine separate
Futterschale haben. Dein Futter ist für Dich reserviert und als Nachtisch
gedacht. Lasse Dich nicht mit einfachem Wasser abspeisen, wenn Dein Mensch
gerade leckeren Tee gekocht hat.
Jammere stets um Essen. Wenn es serviert worden ist, rühre es bloß nicht an. Es
ist noch zu frisch! Du mußt weiter betteln, bis Dir irgendwann ein weiteres Menü
serviert wird. Entscheide Dich dann für das erste, denn das zweite schmeckt noch
schlechter als das erste. Tue so, als ob der Hunger es reintreiben würde. Lege
die Brocken zunächst neben den Napf und sortiere sie nach Genießbarem. Verzehre
dann nur ausgewählte Stücke. Laß´ den Rest für Deinen Zweibeiner liegen. Er soll
ja schließlich nicht verhungern.
Übelkeit
Bei Übelkeit solltest Du Deinen Magen niemals auf einem glatten Boden entleeren.
Dein Zweibeiner könnte darauf ausrutschen und sich die Knochen brechen. Wähle
daher einen saugfähigen Untergrund. Echte Perserteppiche sind noch geeigneter
als ein Stoffsofa. Das Bett ist hierfür auch eine gute Wahl. Benutze jedoch
nicht Dein Katzenklo dafür. Du würdest es unnötig verunreinigen und es würde
nach Erbrochenem riechen. Du willst doch eine saubere Toilette, oder? Wenn Du
den Lieblingssessel Deines Menschen benutzt, fällt ihm Dein Unwohlsein besonders
ins Auge und er wird sich besonders liebevoll um seine kranke Patientin kümmern.
Schlafzimmer
Als Katze verschläfst Du die meiste Zeit Deines Lebens. Denke
deshalb daran: Wie man sich bettet, so schläft man. Den gesündesten Schlaf hast
Du auf dem Kopfkissen Deines Zweibeiners.
Hausarbeit
Staubsaugen ist Menschensache: verdrücke Dich oder lasse Dich auf
dem Sauger durch die Gegend gondeln.
Aber beim Fegen wird geholfen:
Durchsuche stets den Kehricht nach Katzenspielzeug. Verteile den
zusammengefegten Dreck nochmals. Dein Hausmädchen fegt gerne noch mal.
Schließlich hat sie sonst nichts zu tun.
Frisch gewaschene Wäsche lädt zum Kuscheln ein. Zeige Deiner Haushaltshilfe, daß
Du mit dem Waschergebnis zufrieden bist, indem Du Dich darauf legst bzw. wälzt.
Helfe beim Sortieren und Falten der Wäsche. Komponiere irrtümlich
zusammengefaltete und gestapelte Wäsche zu einem kreativ gestalteten,
kuscheligen Wäschehaufen à la Bois. Dein Dosenöffner wird sich über das
Kunstwerk freuen. Lasse nicht zu, daß es zerstört wird!
Wäschestapel sind auf Standfestigkeit zu testen. Das Zusammenfalten von Wäsche
gilt unter Zweibeinern als beliebtes Geschicklichkeitsspiel.
Türen
Sorge stets dafür, daß sämtliche Türen geöffnet sind. Springe
solange an der Türklinke hoch, bis die Tür aufspringt. Wenn dies nicht
funktioniert, kratze an Tür, Rahmen und Teppich und schreie solange, bis die Tür
geöffnet wird. Stelle Dich dann unschlüssig auf die Türschwelle und überlege
gründlich, warum Du eigentlich durch die Tür wolltest. Irgendwann wird Dir Dein
Butler bei der Entscheidungsfindung helfen. Mache ihm klar, daß Du es Dir noch
mal anders überlegt hast.
Bei Außentüren hat das Spielchen einen guten Nebeneffekt: Im Winter hilft es,
die Überhitzung der Wohnräume zu vermeiden. An Sommerabenden kommen dann
Schnaken und Mücken ins Haus. Sie sind herrliche Beutetiere und halten auch
Deinen Zweibeiner fit. Du wirst erstaunt sein, wie munter er dann wird. Mache
Dich nachts dadurch beliebt, daß Du das Ungeziefer erlegst, das Dein Mensch
nicht erwischt hat. Benutze Deinen Zweibeiner als Lockvogel. Warte, bis sich
eine Mücke auf sein Gesicht gesetzt hat und setze dann zum finalen
Rettungssprung an.
Versuche stets in den Raum zu kommen, in den Du nicht rein darfst. Nur so kannst
Du Dir auf Dauer die gesamte Wohnung zugänglich machen. Denke daran: Der Klügere
gibt nach und außerdem hast Du mehr Ausdauer.
Schränke
Öffne jede Schranktür und prüfe den Inhalt. Wäscheschränke sind
stets auf versteckte Mäuse zu durchsuchen. Am Besten den ganzen Inhalt rausholen
und gründlich durchstöbern. Nur wenn man die komplette Wäsche durchstöbert hat,
kann man sicher sein, daß keine Maus drin ist. Schließlich bist Du als
Mäusejäger engagiert!
Gäste
Zeige den Gästen, wer das Sagen hat. Laufe ständig über den
Eßtisch, wenn getafelt wird. Wirst Du vom Tisch verwiesen, dann demonstriere
lautstark für Dein Gewohnheitsrecht.
Mache den Gästen klar, daß Du als Vorkoster für deren Wohl sorgen möchtest.
Denke daran: nur wer am lautesten und aufdringlichsten bettelt, bekommt auch am
meisten ab. Immer wenn Du etwas bekommen hast, mußt Du Deinen Spender darauf
aufmerksam machen, daß die Portion unangemessen klein war. Mache ihm klar, daß
Du seit Wochen nichts vernünftiges zwischen den Zähnen hattest. Die Mitleidstour
zieht am besten. Notfalls unterstreiche Deine Forderung mit Sanktionen wie an
den Beinen kratzen. Wenn alles nichts hilft: springe auf den Tisch und hole Dir,
was Dir zusteht. Guten Appetit!
Kümmere Dich um Deine Gäste. Insbesondere dunkel gekleidete Leute und
Anzugträger lieben es, wenn Stubentiger an den Beinen vorbeistreifen und sich
auf den Schoß setzen. Langweilige Oberhemden und Blusen erhalten durch Fäden
ziehen ein individuelles Design, auf welches die Menschen stolz sind.
Insbesondere Damen wissen von Katzen kreierte Laufmaschen zu schätzen.
Betreue vorzugsweise die Personen, die Katzen nicht mögen. Leiste
Überzeugungsarbeit! Die anderen kommen von selbst auf Dich zu. Wenn sich ein
Gast für Dich interessiert, würdige ihn keines Blickes. Genieße es, wenn man um
Deine Gunst buhlt.
Begleite Deine Gäste stets auf die Toilette und passe auf, ob sie alles richtig
machen. Werde aber spätestens nach zwei Minuten ungeduldig und verlange, sofort
rausgelassen zu werden. Bist Du dann draußen, verlange sofortigen Einlaß. Somit
verhinderst Du, daß das Örtchen unnötig lange blockiert wird. Damit sammelst Du
Pluspunkte bei den anderen Gästen.
Falls ein Gast bei Deiner Anwesenheit ständig niest oder Atemprobleme bekommt,
hat er möglicherweise eine Katzenallergie. Dies ist eine fürchterliche
Krankheit. Solche Patienten brauchen viel Mitleid und Fürsorge Kümmere Dich also
intensiv um sie. Am besten fächerst Du ihm mit Deinem Schwanz Frischluft zu.
Setze Dich auf seinen Schoß, streife an seinen Beinen. Oder Lecke ihm Gesicht
und Hände ab. Das kommt immer gut an und fördert die Heilung.
Duftmarken
Zeige ständige Präsenz mittels Duftmarken. Deine Dosenöffner sind
stolz auf Dich und möchten, daß alle Nachbarn und Hausbewohner wissen (riechen),
daß es Dich gibt. Markiere so oft und an so vielen Stellen wie möglich. Setze
Deine Duftmarken dort, wo man sie schlecht beseitigen kann. Meide also glatte,
nicht saugende Materialien. Spritzer gegen Steckdosen verhindern übermäßige
Beleuchtung und sind ein Beitrag zum Strom sparen. Deine Zweibeiner werden den
romantischen Abend bei Kerzenschein lange in guter Erinnerung haben.
Jagdtrophäen
Als Mäusejäger mußt Du Dein Talent des öfteren unter Beweis
stellen. Also bringe gelegentlich eine selbst gejagte Maus nach Hause. Damit Dir
die Zweibeiner sie nicht wegessen, sollte sie nicht zu frisch sein. Du weißt ja:
Das Essen kommt stets auf den Tisch!
Es soll tatsächlich noch Katzen geben, die obige Verhaltensregeln nicht kennen
oder sie nicht befolgen. Die Tatsache, daß diese Stubentiger bei ihren Menschen
besonders beliebt sind, ist rein zufällig. Also haltet Euch streng an den
Katzenknigge!
*************************************************************************************************************
Hast Du Dich schon mal gefragt, warum Deine Katze so schlank ist? Intensive Studien haben nun ergeben, daß sich Katzen an eine besondere Diät halten:
Erster Tag:
Frühstück: Laß dir eine teure Dose Gourmet-Katzenfutter öffnen. Es ist
völlig egal, welche Geschmacksrichtung, solange sie nur mehr als 75 Cent kostet.
Iß einen Bissen davon und schau dich gelangweilt um. Wirf den Rest auf den
Fußboden. Starre eine Weile an die Wand bevor du aus dem Raum stolzierst.
Mittagessen: Vier Grashalme und ein Eidechsenschwanz. Würge alles auf dem
saubersten Teppich im Haus wieder hinauf.
Abendessen: Fang eine Motte und spiel mit ihr bis sie fast tot ist. Iß einen
Flügel. Laß den Rest liegen.
Mitternachtssnack: Schnapp dir eine grüne Bohne vom Teller deines Menschen.
Spiel damit auf dem Fußboden bis sie unter dem Kühlschrank verschwindet. Schnapp
dir ein kleines Stück Huhn und iß die Hälfte davon. Laß die andere Hälfte am
Sofa liegen.
Zweiter Tag:
Frühstück: Hol das restliche Hühnchen vom Sofa. Wirf es auf den Teppich
und schieß es dann unter den Fernseher. Knabber an der Ecke der Zeitung herum,
die dein Mensch gerade zu lesen versucht.
Mittagessen: Befreie das Baguette, das für die Dinnerparty heute Abend
vorgesehen ist, von der Papiertüte. Schleck die Oberseite davon ab. Beiß einmal
in der Mitte davon ab.
Nachmittagssnack: Fang einen großen Käfer und bring ihn ins Haus. Spiel damit,
bis er matschig und halbtot ist. Laß ihn dann unters Bett entkommen.
Abendessen: Laß dir eine frische Dose möglichst dunkles Gourmet-Katzenfutter
öffnen. Thunfisch oder Rind ist ganz gut. Schling es hinunter. Gehe von der
Küche zur Ecke des Wohnzimmerteppichs. Kotze sofort auf den Teppich. Steig
hinein und hinterlasse Fußspuren im ganzen Zimmer.
Dritter Tag:
Frühstück: Trink einen Teil der Milch aus der Müslischale deines Menschen,
wenn dir keiner zusieht. Spritz einen Teil davon auf das Tischtuch.
Mittagessen: Fang einen kleinen Vogel und bring ihn ins Haus. Spiel in der
Katzentoilette damit. Gehe sicher, daß der Vogel schwer verletzt aber nicht tot
ist, bevor du ihn liegen läßt.
Abendessen: Bettle und weine, bis man dir Eiskrem oder Milch in deine Schüssel
gibt. Schleck dreimal daran und kipp dann die Schüssel um.
Letzter Tag:
Frühstück: Iß 6 Käfer (egal welcher Art) und laß eine Kollektion von
Beinen, Fühlern und Flügeln am Badezimmerboden zurück. Trink viel Wasser. Kotze
die Käfer und das ganze Wasser auf den Kopfpolster deines Menschen.
Mittagessen: Hol die Haut des Grillhähnchens, das gestern geliefert wurde aus
dem Abfalleimer. Zieh sie einige Male über den Fußboden. Knabber ein bisschen
daran und laß sie dann liegen.
Abendessen: Laß dir eine weitere Dose teures Gourmet-Katzenfutter öffnen. Wähle
eine besonders flüssige Sorte aus, wie zB. Hühnchen in Sosse. Schleck die Sosse
auf und laß das restliche Fleisch zum Trocknen zurück.
*************************************************************************************************************